Millionen Menschen sagen täglich „Gefällt mir“ und teilen damit ihrem Netzwerk mit, dass ihnen ein Produkt, eine Marke oder eine Person besonders gut gefällt. Inzwischen geht das jedem „Social Media“-Nutzer ganz alltäglich von der Hand. Doch so neu ist die Idee, die die Marketing-Leute fasziniert, gar nicht. Bereits im Jahr 2000 gab es etwas ganz Ähnliches, allerdings ohne Werbeabsicht und noch etwas kreativer: Die Fanlistings.
Genauer gesagt, es gibt sie immernoch. Fanlistings: Webseiten, die keinen anderen Zweck haben, als eine Liste darüber zu führen, wie viele Menschen sich für etwas begeistern können, wie sie heißen und wo sie herkommen. Und es kommt noch besser: Die Begeisterten tragen sich nicht nur in die Listen ein, sondern setzen auch noch freiwillig einen Button auf ihre Webseite, der auf das Fanverzeichnis verweist.
Was ist das für ein seltsames Konzept? Wo kommt das her? Und warum hat man davon noch nie etwas gehört? Im Gegensatz zu den sozialen Netzwerken steckt hinter TheFanlistings.org kein Konzern, sondern eine eingeschworene Gemeinschaft aus design- und sammelwütigen Menschen, die gerne Webseiten basteln und ihre Vorlieben mit anderen teilen.
Diese Community organisiert sich über The Fanlistings.org (kurz TFL). Hier werden die Webseiten gesammelt, sortiert und überprüft. In Kategorien von Actors über Nature und Songs bis hin zu Websites findet sich alles, was das Herz begehrt. So gibt es bspw. eine eigene Fanliste für jedes Pokemon, jede einzelne LOST- Folge, die Farbe Sangria oder abstrakte Konzepte wie Sarkasmus, Faulheit und Magie. Ja, sogar eine Fanlisting für Fanlistings findet sich.
Es ist erstaunlich, wie gut die Seite organisiert ist. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter von TFL stellen sicher, dass es zu jeder Thematik nur eine geprüfte Fanliste gibt, dass sie regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden und alle Links noch richtig funktionieren. Pro Kategorie gibt es mehrere Verantwortliche, die sich entweder um das Updaten der Datenbank, die Kontrolle der Regelkonformität der einzelnen Seiten oder um die Bewerbungen für neue Fanlistings kümmern.
Eine TFL-geprüfte Fanliste bekommt man nämlich nicht einfach so. Hat man zufällig etwas gefunden, für das es noch keine solche Seite gibt, muss man sich mit einem Formular für die Liste bewerben. Bonuspunkte bringen gut geführte, bereits vorhandene Listen, gute Webdesign-Skills, eine humorvolle Begründung und und und. Die Fanlistings sind eine Wissenschaft für sich.

Streng bürokratisch organisiert müssen alle Listen regelmäßig geupdatet werden, sonst gibt es "Trouble".
Das komplette Netzwerk in seinen Details zu beleuchten, würde jetzt zu weit führen. All die Skripte, die es für Fanseiten-Ersteller gibt, um die Listen zu managen. Die Adoptionsforen für Fanlistings, die zu viel Arbeit machen und an andere Fans abgegeben werden. Die Sammler, die einfach nur möglichst viele Listen ihr Eigen nennen wollen. Die Awards, die es für Listen mit mehr als 250 Einträgen gibt…
Das Konzept funktioniert seit 10 Jahren einwandfrei, es gibt über 50.000 geprüfte Fanlistings, einige davon mit mehr als 10.000 gelisteten Fans.
Die Zahlen erscheinen gering im Gegensatz zu den Massen der Facebook-Userzahlen und der Millionenzahl an Followern einiger Stars. Auch für das Marketing sind die Listen mehr schlecht als recht zu gebrauchen, finden sich doch hier keine Informationen außer einer stetig wachsenden Zahl an Begeisterten.
Dafür steckt viel Individualität in den liebevoll gestalteten Seiten, die in regelmäßigen Abständen ihr Gesicht und manchmal auch ihren Besitzer wechseln. Am interessantesten ist: Die Fanlistings haben schon vier Jahre vor dem Facebook-Launch gezeigt, dass Menschen gerne ihre Vorlieben teilen. Ganz egal, wie viel Sinn das für den ein oder anderen ergibt.








